Der Bonsai-Schnitt – Warum er so wichtig ist
- ReneBLB

- vor 4 Tagen
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Ein regelmäßiger Schnitt ist eine der zentralen Pflegemaßnahmen bei Bonsai. Er dient nicht nur dazu, das Wachstum zu kontrollieren, sondern ist wesentlich für die Gestaltung, Gesundheit und Ästhetik des Baumes. Ohne Schnitt wächst ein Bonsai ähnlich wie ein normaler Baum: Die Triebe an der Spitze dominieren, innere Äste verkümmern, die Verzweigung bleibt grob. Durch gezieltes Beschneiden kann man diese natürliche Wachstumstendenz umkehren und den Baum in eine harmonische, dichte und optisch ansprechende Form bringen.
Der Schnitt erfüllt mehrere Funktionen:
Er verhindert, dass der Bonsai einfach zu groß wird, dient aber vor allem dazu, die vorhandene Form zu erhalten / zu verbessern.
Er gleicht die Wuchskraft im Baum aus, da Bäume naturgemäß oben stärker wachsen.
Er fördert die Feinverzweigung und damit die Qualität des Bonsai.
Er entfernt störende, tote oder schwache Äste, was die Gesundheit stärkt.
Bei einer Neugestaltung ist ein radikalerer Schnitt nötig, um die gewünschte Grundform zu etablieren.
Arten des Bonsai-Schnitts
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptarten des Schnitts:
Gestaltungsschnitt (Formschnitt / Strukturschnitt)
Erhaltungsschnitt (Pflegeschnitt)
Gestaltungsschnitt
Dieser Schnitt ist radikaler: Es werden dicke oder überflüssige Äste entfernt, um die Grundstruktur des Bonsai zu formen. Er wird besonders am Anfang der Bonsai-Gestaltung eingesetzt oder wenn ein bestehender Bonsai eine neue Form erhalten soll.
Für den Gestaltungsschnitt ist präzises Werkzeug notwendig, wie etwa eine Konkavzange, die eine Vertiefung beim Schnitt erzeugt, damit die Wunde besser verheilt und weniger sichtbare Narben hinterlässt. Große Schnittwunden sollten mit Wundpaste versiegelt werden, um Infektionen zu vermeiden und die Heilung zu beschleunigen. Große Eingriffe sollten idealerweise außerhalb der stärksten Wachstumsphase erfolgen, damit der Baum sich gut erholen kann. Nach einem starken Gestaltungsschnitt empfiehlt es sich, mit einem Umtopfen zu warten, bis der Bonsai vollständig regeneriert ist.
Erhaltungsschnitt
Der Erhaltungsschnitt dient dazu, die bereits etablierte Form des Bonsai beizubehalten und zu verfeinern. Dieser Schnitt ist weniger drastisch, wird dafür aber regelmäßig durchgeführt.
Er stimuliert den Neuaustrieb und verbessert die Feinverzweigung: Dicht verzweigte Äste und kleinere Blattpolster entstehen, wodurch die Qualität des Bonsai steigt. Typischerweise wird der Erhaltungsschnitt mehrmals im Jahr durchgeführt – bei Laubbäumen z. B. 2–3 Mal, bei Nadelbäumen je nach Art seltener.
Für das Schneiden von Trieben können Scheren oder kleine Bonsai-Zangen verwendet werden. Bei manchen Nadelbäumen, wie Kiefern, ist das „Zupfen“ der neuen Triebe effektiver als Schneiden, da es eine schnellere Heilung und natürlichere Form ermöglicht.
Der Erhaltungsschnitt kann das ganze Jahr über stattfinden, besonders während der Wachstumsperiode.
Wichtig ist dabei, das Gleichgewicht im Baum zu erhalten, kräftige Triebe zurückzuschneiden und die Energie auf innere und untere Bereiche zu lenken.
Blattschnitt (Defoliation)
Eine spezielle Technik des Bonsai-Schnitts ist der Blattschnitt, bei dem alle oder ein großer Teil der Blätter und Endknospen entfernt werden.
Nach dem Blattschnitt treibt der Baum neu aus: Viele „schlafende Knospen“ werden aktiviert, was die Verzweigung deutlich erhöht.
Die neuen Blätter sind meist kleiner, wodurch die Blattstruktur verfeinert wird.
Diese Methode eignet sich nur für kräftige, gesunde Laubbäume.
Der ideale Zeitpunkt liegt in der Hochsaison, wenn der Frühjahrsaustrieb ausgehärtet ist.
Nach dem Blattschnitt sollte der Baum bei starker Sonne leicht geschützt werden, da er empfindlicher ist, und zunächst nicht gedüngt werden, bis neue Blätter erscheinen.
Techniken und Vorgehensweise beim Schneiden
Eine gut überlegte Vorgehensweise hilft, den Bonsai optimal zu schneiden:
Planen: Überlege, welche Schnittart angewendet wird und welche Äste entfernt werden sollen.
Entfernen: Schneide zuerst tote, kranke oder sich kreuzende Äste.
Unterschnitt: Nutze geeignete Werkzeuge wie Konkavzangen, damit die Wunde vertieft wird und besser verheilt.
Pflegen: Wundpaste kann große Schnittstellen schützen und die Heilung beschleunigen.
Evaluieren: Tritt zurück, schaue dein Werk an und überprüfe die Symmetrie sowie das Gleichgewicht des Baumes.
Häufige Fehler und Tipps
Zu viel auf einmal schneiden: Große Eingriffe sollten dosiert erfolgen, um den Baum nicht zu stressen.
Planlos schneiden: Vor dem Schnitt sollte eine klare Vorstellung von der Form des Bonsai bestehen.
Abschneiden ohne Rücksicht auf Energieverteilung: Schneiden nur starker Triebe kann das Gleichgewicht stören.
Falscher Zeitpunkt: Nicht jeder Schnitt ist zu jeder Jahreszeit geeignet.
Schnittwunden vernachlässigen: Große Schnittwunden sollten versiegelt werden, um Infektionen zu vermeiden.
Blattschnitt bei ungeeigneten Bäumen: Schwache oder gestresste Bonsai sollten nicht entlaubt werden.
Pflege nach Blattschnitt: Nach der Entlaubung braucht der Baum besondere Aufmerksamkeit, z. B. weniger Wasser und keinen Dünger, bis neue Blätter erscheinen.
BLB Fazit
Der Schnitt ist essenziell für Wachstum, Gestaltung und Gesundheit des Bonsai.
Zwei Hauptschnittarten: Gestaltungsschnitt formt die Struktur, Erhaltungsschnitt pflegt und verfeinert.
Blattschnitt ist ein wirksames Mittel, um Verzweigung zu fördern und Blätter zu verkleinern.
Sorgfältige Technik, gutes Werkzeug, Wundversorgung und Geduld sind entscheidend.
Durch regelmäßigen Schnitt kann der Bonsai über Jahre hinweg in Schönheit, Dichte und Ausgewogenheit wachsen.
...und nun viel Spaß beim Schneiden deiner Bonsai, dein Team BLB :)




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