Bewässerung von Bonsai - Die Lebensader deines kleinen Baumes
- ReneBLB

- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Die richtige Bewässerung zählt zu den wichtigsten und zugleich schwierigsten
Disziplinen in der Bonsai-Pflege. Selbst erfahrene Bonsai-Freunde betonen:
Es gibt keinen starren Gießplan, der für alle Bäume gilt. Der Schlüssel ist
vielmehr Beobachtung, Flexibilität und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse
jedes einzelnen Bonsai. Im Folgenden erläutere ich, was beim Gießen zu
beachten ist, wie sich der Wasserbedarf berechnet und welche typischen
Fehler man vermeiden sollte.
Warum ist das Gießen so wichtig?
Wasser ist für einen Bonsai nicht nur Leben, sondern auch Herausforderung:
Er steht oft in flachen Schalen, die schnell austrocknen können, andererseits
kann Staunässe ebenso gefährlich sein wie Unterversorgung. Feine Wurzeln,
die für die Aufnahme von Wasser verantwortlich sind, können bei Trockenheit
absterben, aber auch bei permanenter Nässe verfaulen.Zudem reguliert Wasser die Nährstoffaufnahme und beeinflusst die Aufnahme von Sauerstoff an den Wurzeln – beides essenziell für das gesunde Wachstum.
Welche Faktoren beeinflussen den Wasserbedarf?
Der Wasserbedarf eines Bonsai hängt von vielen Variablen ab. Hier die wichtigsten:
Wetter & Jahreszeit
Heiße, sonnige und windige Tage lassen einen Bonsai schnell austrocknen. Besonders bei kleinen Bäumen mit wenig Substrat muss man oft kontrollieren.
Im Herbst oder bei hoher Luftfeuchtigkeit ist der Wasserverlust geringer.
Im Winter, insbesondere bei Frost, kann der Boden sogar gefrieren und kein Wasser aufnehmen. Manche Bonsai müssen im Winterquartier daher kaum gegossen werden.
Standort
Sonne, Wind und Luftfeuchte beeinflussen stark, wie schnell Wasser verdunstet oder wie schnell das Substrat austrocknet.
Ein windgeschützter Standort oder hoher Luftfeuchte (z. B. im Gewächshaus) reduziert den Bedarf.
Baumart
Unterschiedliche Baumarten haben sehr unterschiedliche Wasserbedürfnisse. Einige mögen eher gleichmäßige Feuchte, andere kommen gut mit temporärer Trockenheit klar.
Zum Beispiel benötigen tropische Bonsai (z. B. Ficus) sehr regelmäßige Wassergaben, während Koniferen durchaus etwas trockenere Phasen tolerieren können.
Größe des Bonsai & Schale
Kleine Bäume in flachen Schalen trocknen schneller aus als große Exemplare in Volumenschalen.
Das Bodenvolumen bestimmt, wie viel Wasser gespeichert werden kann.
Substrat / Erde
Ein durchlässiges Substrat ist entscheidend, damit Wasser gut ablaufen kann und die Wurzeln nicht in Staunässe stehen.
Unser BLB Mix für Laub- & Nadelgehölze, eine Mischung aus Akadama, Lavagranulat, Bimskies ist sehr gut geeignet, da sie Wasser einwandfrei speichert, aber auch Luft lässt.
Sehr alte, stark verdichtete Erde kann Wasser nur langsam aufnehmen oder sogar abstoßen – daher empfiehlt sich nach einer Zeit ein Umtopfen.
Pflegemaßnahmen
Nach dem Umtopfen mit Wurzelschnitt braucht der Baum oft weniger Wasser: Viele feine Wurzeln wurden entfernt, daher ist die Aufnahme reduziert.
Auch ein starker Schnitt von Ästen / Blättern verringert den Wasserverbrauch, weil weniger Verdunstung stattfindet.
Wann sollte man gießen?
Prüfe regelmäßig die Erde, z. B. mit dem Finger – etwa 1 cm tief – um die Feuchtigkeit zu beurteilen.
Warte nicht auf einen festen Zeitplan: Gieße, wenn der Bonsai es braucht, nicht einfach jeden Tag ohne Blick auf den Boden.
Wenn du gießen musst, dann gründlich: So viel Wasser geben, bis es aus den Abzugsöffnungen läuft, ggf. nach ein paar Minuten nochmal wiederholen.
Ein interessanter Trick: Zuerst ein wenig Wasser auf die trockene Oberfläche geben, kurz warten und dann weiter gießen. So vermeidest du, dass das Wasser nur durch trockene Kanäle läuft, ohne wirklich in die Erde einzudringen. Dadurch kann sich die Wasseraufnahme deutlich verbessern.
Welche Methoden des Gießens gibt es?
Gießkanne mit feiner BrauseIdeal, um sanft zu gießen, ohne dass der Boden weggespült wird.
Immersion (Eintauchen)Man kann den Bonsai in Wasser eintauchen (z. B. in ein Wasserbecken), bis keine Luftblasen mehr steigen. Das sorgt dafür, dass auch trockene Stellen wieder gut durchfeuchtet werden.
Hydro-Systeme / Automatisierte BewässerungWenn man nicht regelmäßig gießen kann (z. B. Urlaub), gibt es Systeme, die langsam Wasser abgeben. Aber viele Bonsai-Freunde bevorzugen dennoch manuelles Gießen, weil sie so die Kontrolle behalten.
Wasserqualität und Temperatur
Am besten eignet sich Regenwasser: Es enthält kaum Salze oder Chemikalien und ist oft weicher.
Leitungswasser ist grundsätzlich ok, aber besonders kalkhaltiges Wasser kann problematisch sein, z. B. für empfindliche Arten.
Verwende möglichst kein sehr kaltes Wasser auf erhitztem Substrat – das kann die Wurzeln „schocken“.
Typische Fehler und Risiken
Zu viel Wasser / Staunässe
Gefährlich, weil die Wurzeln dann keinen Sauerstoff bekommen.
Kann entstehen, wenn die Abzugslöcher verstopft sind oder das Substrat nicht durchlässig genug ist.
Lösung: Umtopfen mit besserem Substrat, das hilft, überschüssiges Wasser abzuleiten.
Zu wenig Wasser
Wenn das Substrat zu lange völlig trocken bleibt, sterben feine Faserwurzeln ab.
Das kann zu Blattabwurf, schlechtem Wachstum oder im Extremfall sogar zum Absterben des Bonsai führen.
Routine statt Beobachtung
Wenn man stur nach Uhr gießt, ohne die Feuchtigkeit zu prüfen, kann man konstant falsch liegen.
Besonders nach Pflegemaßnahmen (Schnitt, Umtopfen) ändert sich der Wasserbedarf, und man muss die neue Situation neu „erlernen“.
Luftfeuchtigkeit und ihre Rolle
Nicht nur das Substrat, sondern auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle:
Bei trockener Luft öffnen sich die Spaltöffnungen der Blätter, und der Baum verdunstet mehr Wasser.
Sind diese Spaltöffnungen längere Zeit geschlossen, leidet der Baum, weil dann der Wasser- und Nährstoffstrom gestört ist.
Besonders in Innenräumen (z. B. über Heizungen) kann die Luft sehr trocken sein – hier hilft es, den Bonsai auf einen Untersetzer mit Wasser und Kies zu stellen, um die lokale Luftfeuchte zu erhöhen.
Bewässerung je nach Baumart und Saison
Ein paar konkrete Richtwerte (aber wichtig zu betonen: keine starren Regeln):
Im Sommer kann es bei manchen Bonsai notwendig sein, einmal oder sogar zweimal täglich zu gießen, vor allem bei hoher Hitze und Wind.
Koniferen oder Kiefern können etwas trockenere Zwischenphasen vertragen, solange das Substrat nicht komplett austrocknet.
Während der Ruhephase (z. B. Winter) reduziert sich der Wasserbedarf deutlich, je nach Klima reicht hier weniger häufiges Gießen.
BLB Fazit: Bewässerung als ständige Achtsamkeit
Gießen ist nie „einmal einstellen und vergessen“: Du musst deinen Bonsai regelmäßig kontrollieren.
Jeder Baum ist anders – unter anderem durch Baumart, Schale, Standort, Substrat.
Beobachte und lerne: Mit der Zeit bekommst du ein gutes Gefühl dafür, wann dein Bonsai „Durst“ hat.
Es ist besser, gelegentlich erst etwas später zu gießen (wenn man sieht, dass der Boden leicht angetrocknet ist), als ständig in Panik zu übergießen.
Ein sehr wichtiger Teil der Bonsai-Kunst ist eben diese Balance zwischen genug Wasser und nicht zu viel – es ist eine ständige, lebendige Rückkopplung zwischen dir und deinem Baum.
...und nun viel Spaß bei der Bewässerung deiner Bonsai, dein Team BLB :)




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